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Presse - HNA vom 13. Dezember 2008

Kassel feiert seinen Musik-Heroen
Louis Spohrs Tod jährt sich 2009 zum 150. Mal - Musikszene ehrt den Jubilar mit großem Konzertprogramm

Von Werner Fritsch
Kassel. Es war die goldene Zeit Kassels als Musikstadt: Als Kurfürst Wilhelm II. 1822 den damals schon europaweit berühmten Geiger Louis Spohr als Hofkapellmeister nach Kassel holte, wollte er seine Oper „zu einer der ausgezeichnetsten Deutschlands“ machen. Spohr erfüllte ihm diesen Wunsch. 35 Jahre leitete er das Kasseler Hoftheater und machte Kassel zu einem Zentrum, das die Stars jener Zeit anzog. Als Spohr 1859 starb, trauerte die ganze Stadt um ihren großen Bürger.

Im nächsten Jahr jährt sich Spohrs Tod zum 150. Mal. Anlass genug für die Kasseler Musikschaffenden, den Heroen mit einem umfangreichen Festprogramm zu ehren. In rund 25 Konzerten erhält die Kasseler Bevölkerung damit Gelegenheit, das vielfältige Werk des zu Lebzeiten angesehensten deutschen Musikers kennen zu lernen.

Aus einer ersten Initiative einer kleinen Gruppe um den Kasseler Musikjournalisten Johannes Mundry wurde in den letzten Monaten eine breite Bewegung, die an einem repräsentativen Programm zum Spohr-Jubiläum arbeitete. Das Kulturamt der Stadt übernahm die Koordination. Vor wenigen Tagen war Redaktionsschluss für das Gesamtprogramm, das im Januar 2009 in gedruckter Form erscheinen soll.

Das „breite und sehr qualifizierte Bündnis für Spohr“, so Ruth Wagner vom Kulturamt, umfasst 15 Kooperationspartner und hat zwischen dem Auftaktkonzert am 8. Februar und dem feierlichen Abschluss am 8. November viele musikalischer Leckerbissen zu bieten.


Louis Spohr
nach seinem Selbstbildnis von 1807
Zeichnung von Albert Schindehütte 59 X 42 cm, 2006
Louis-Spohr-Stiftung

Programm-Höhepunkte

  • Zum Auftakt am 8. Februar spielen Musiker des Staatsorchesters im Ständesaal unter anderem das Nonett op. 31, eines der berühmtesten Kammermusikwerke Spohrs.
  • Am 21. und 22. Februar ist beim Spohr-Mendelssohn-Musikfest in der Harleshäuser Erlöserkirche unter anderem Spohrs 4. Sinfonie „Die Weihe der Töne“ zu hören.
  • Die Oratorien Spohrs werden komplett aufgeführt. Den Anfang machen am 22. März Michael Gerisch und die Kantorei Kirchditmold mit dem Passionsoratorium „Des Heilands letzte Stunden“.
  • Am 7. Juni folgt das Oratorium „Der Fall Babylons“ in der Martinskirche mit dem Kasseler Konzertchor und dem Staatsorchester Braunschweig (aus der Geburtsstadt Spohrs).
  • Das Oratorium „Die letzten Dinge“ mit dem Kasseler Bachchor und Norbert Ternes ist am 8. November in der Martinskirche zu erleben.
  • Der Konzertverein Kassel (bisher: Kammermusikverein) präsentiert im Rahmen eines viertägigen Musikfestes vom 3. bis 6. Juni in der documenta-Halle prominent besetzte Kammermusik. Unter anderem spielen das Vogler-Quartett und das Klenke-Quartett Spohrs Doppelquartett op. 136.
  • Die Wilhelmshöher Schlosskonzerte des Hessischen Rundfunks stehen im zehnten Jahr ihres Bestehens ebenfalls im Zeichen Spohrs. Höhepunkt: noch einmal das Nonett op. 31 mit dem Persius-Ensemble am 18. Juli im Florasaal von Schloss Wilhelmshöhe.
  • Das Opernschaffen Spohrs wird mit drei konzertanten Aufführungen von „Jessonda“ durch das Kasseler Staatstheater unter der Leitung von Patrik Ringborg gewürdigt (Premiere: 25. Oktober). Mit der Uraufführung dieser Oper feierte Spohr 1823 seinen ersten großen Erfolg in Kassel. Mit ihr verabschiedete er sich 1857 auch vom Kasseler Publikum. Der Bärenreiter-Verlag stellt dafür spielfähiges Notenmaterial her.

    Zahlreiche weitere Aktivitäten runden das Spohr-Jubiläum ab: Die Musiksommer-Eröffnung steht ebenso im Zeichen Spohrs wie die Kasseler Musiktage und die Nordhessischen Kindermusiktage. Die Internationale Louis-Spohr-Gesellschaft und die Internationale Louis-Spohr-Stiftung sind vielfältig beteiligt. Und der Kasseler Musikwissenschaftler Dr. Wolfram Boder wird im Mai die deutsche Übersetzung von Clive Browns bedeutender Spohr-Biografie vorlegen.

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